Binge Eating Störung (BED)

Psychosomatik

Leiterin:
Prof. Dr. (TR) Yesim Erim

Binge Eating Störung (BED)

Foto: Psychosomatik Uni-Klinikum Erlangen

Wer unter einer Binge-Eating-Störung (BED) leidet, hat durchschnittlich mindestens einmal pro Woche einen Essanfall, bei dem er erheblich mehr Nahrung zu sich nimmt, als er möchte. Die Betroffenen können meist erst aufhören zu essen, wenn nichts mehr da ist oder wenn sie sich unangenehm voll fühlen. Sie berichten, während des Essens die Kontrolle zu verlieren. Die Essanfälle erfolgen meist heimlich und allein, aus Scham, dabei beobachtet zu werden. In einigen Fällen kommt es nicht zu abgrenzbaren Essanfällen, sondern die Betroffenen nehmen über längere Zeit, teils über Stunden hinweg dauernd Nahrung zu sich oder trinken über den Tag verteilt große Mengen hochkalorischer Getränke, wie zum Beispiel Cola oder Energy-Drinks. Oftmals werden durch dieses Essverhalten berufliche oder soziale Verpflichtungen vernachlässigt. Die Betroffenen leiden deutlich unter ihren Essanfällen und deren Folgen. Es erfolgen manchmal durchaus Kompensationsversuche, wie zum Beispiel das Auslassen von Mahlzeiten oder vermehrte körperliche Bewegung. Solche Maßnahmen sind jedoch weniger regelmäßig und intensiv als bei bulimischen Patienten mit Bulimia nervosa, die zum Beispiel regelmäßig restriktive Essenstage oder selbstinduziertes Erbrechen einsetzen. Dies führt bei mehr als 50 % der Betroffenen zu Übergewicht oder sogar Adipositas.  So kommt neben dem Leidensdruck durch die Essanfälle auch noch die Belastung durch somatische Folgen des Übergewichts, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Skelett-und Bewegungsapparates, Störungen der Atemfunktionen, Venenleiden oder erhöhtes Karzinomrisiko dazu. Diese Auswirkungen führen bei vielen zu Unzufriedenheit mit der Figur, Scham, depressiven Gefühlen und sozialem Rückzug. Die Binge-Eating Störung stellt mit ca. 3% in der Bevölkerung eine häufige Essstörung dar und kommt bei Männern und Frauen annähernd gleich häufig vor.

Unser Behandlungskonzept:

Wie bei anderen Essstörungen ist der Aufbau eines geregelten Ablaufs unabdingbar. Da für viele Betroffene Essen eine große Bedeutung für das Wohlbefinden hat und der Stressverarbeitung dient, gilt es, alternative Möglichkeiten der Stressbewältigung schrittweise zu erarbeiten. Hierzu zählen das Erlernen von Entspannungsverfahren, Problembewältigungstraining und Aktivitätenaufbau. Letzterer sollte jedoch langsam und schrittweise erfolgen, um Frustration oder auch Schäden am Bewegungsapparat zu vermeiden.
Viele Betroffene haben eine sehr negative Haltung dem eigenen Körper gegenüber, haben oftmals Kritik an ihrem äußeren Erscheinungsbild erfahren und leben deshalb oft sozial zurückgezogen. Darum steht neben einem Aufbau sozialer Fertigkeiten zum Umgang mit schwierigen sozialen Situationen auch ein bewusster Aufbau angenehmer sozialer Aktivitäten, wie zum Beispiel eine Verabredung in einem Café oder auch der Besuch eines Schwimmbades (was anfangs für viele unvorstellbar ist). Dies wird individuell abgesprochen und vorbereitet.
Der Umgang mit „hochattraktiven“ Lebensmitteln will ebenfalls gelernt sein. Auch hierfür haben wir bestimmte Übungen vorgesehen, um wieder „Herr im Haus“ zu werden und nicht von einem Schokoriegel „kontrolliert zu werden“. Die meisten Teilnehmer dieses Trainings sind danach stolz und erleichtert. Eine bewusste Gewichtsabnahme ist nicht das vorrangige Ziel unseres Behandlungsansatzes, jedoch kommt es allein aufgrund der Veränderungen des Essverhaltens bei vielen Betroffenen zu einer Gewichtsreduktion.

© Psychosomatik Uniklinikum Erlangen

 
Weitere Informationen

Sekretariat der Psychosomatischen Ambulanz
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Freitag 8.00-14.00 Uhr
Telefon: 09131 85-34899
E-Mail: psychosomatikatuk-erlangen.de

Sprechstunde für Essstörungen